Redebeitrag (Ehrung der Opfer des Todesmarsch 1945, Südbahnhof Arnstadt)

Liebe Genossinnen und Genossen,
Liebe Freunde,

es ist eine im höchsten Maße anerkennenswerte Tradition, all jährlich, der auf den Todesmarsch ermordeten Häftlinge des Konzentrationslager Buchenwald zu erinnern.
Mein besonderer Dank gilt, und dies will ich gleich zu Beginn meiner Ausführungen sagen, der Arnstädter Linken, die sich aus ihrer antifaschistischen Überzeugung und Tradition heraus, diesem Gedenken angenommen hat. Seit der politischen Wende 1989/90 wird kontinuierlich Anfang April dieses Gedenken durchgeführt. Es beginnt hier am Arnstädter Südbahnhof.
Eine Gruppe von Genossinnen und Genossen macht sich nach diesem Auftakt auf den Weg, um mit Blumen die 1945 auf diesen Märschen zu Tode gekommenen KZ-Häftlinge zu ehren. Nächste Stationen sind: der „Rufer“ in der Wachsenburgallee, Espenfeld, Siegelbach, Plaue, Gräfenroda, Frankenhain und weiter in den Norden des Kreises nach Stadtilm bis Dienstedt-Hettstedt.

13.000 Opfer hat dieser Todesmarsch gefunden. Weitere Tausende derer, die bis dahin die KZ - Höllen der Nazis überlebt hatten, fanden anderswo in Deutschland oder Europa den Tod, als die SS-Wachmannschaften mit „Räumungsaktionen“ in der Schlussphase des 2. Weltkrieges Häftlinge unter barbarischen Bedingungen sich zu Tode marschieren ließen.
Die oft tage- und wochenlang dauernden Märsche mussten die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte stehenden KZ-Häftlinge mit ihren Leben bezahlen. Sie erfroren, verhungerten oder brachen geschwächt zusammen und wurden dann von der SS erschossen.
Bekannt ist ein Befehl von SS - Reichsführer Heinrich Himmlers vom 18. April 1945, da waren die Leiden für die Häftlinge des KZ Buchenwald bereits vorbei, die Häftlinge unter keinen Umständen lebend der US-Armee zu überlassen.


Liebe Freunde,

die meisten von uns waren am 31. März dabei, als die alljährliche Gedenkveranstaltung an die im Sonderlager S III inhaftierten und ermordeten Häftlinge erinnert worden ist. Ich finde diese Veranstaltung richtig und ich finde es gut, dass es 2012 wieder einmal gelungen ist, neben Vertretern der Politik auch Jugendliche für diese Veranstaltung zu gewinnen. Vielen Dank an die Robert-Bosch-Schule.
Es ist wichtig, die antifaschistische Tradition an die nächste Generation weiter zu geben. Das ist überhaupt eine der wichtigsten Aufgaben.
Gelebter Antifaschismus ist die beste Basis den brauen Ungeist erst gar nicht in die Gesellschaft eindringen zu lassen.
Deshalb ist es gut, und ich wiederhole mich bewusst, dass solche Veranstaltungen, wie wir sie heute hier machen, die Stolpersteinbewegung oder die Ehrung im Jonastal stattfinden.
Aber ich sage mit Blick auf den vermutlich gelungenen Akt von Nazis neben Kirchheim in Marlishausen einen weiteren Treffpunkt aufzubauen, das reicht offensichtlich nicht.
Die demokratischen Kräfte müssen sich verbünden und zusammenhalten, wenn es gegen rechts geht. Nicht nur beim NPD-Verbot. Und es muss uns auch gelingen, den 8. Mai gemeinsam als Tag der Befreiung zu begehen. Bisher sind wir, als Linke, unterstützt von russisch stämmigen Aussiedlern, die einzigen, die am 8. Mai auf den Friedhöfen in Arnstadt und Ilmenau an die Gräbern von Zwangsarbeitern und gefallenen sowjetischen Soldaten stehen.
Das kann nicht sein! Hier müssen alle demokratischen Parteien dafür gewonnen werden, an diesem Tag, des größten Verbrechens von Nazideutschland, dem 2. Weltkrieg und seiner Opfer zu gedenken.

Ich will diese Veranstaltung nutzen und ein weiteres sagen: Wir müssen die Zeitzeugen aktivieren. Jochen Traut hat auf der Podiumsdiskussionsveranstaltung im Arnstädter Rathaus am Dienstagabend von den „Kriegskindern“ gesprochen. Die heute 80-jähringen sollen Kindern und Jugendlichen aus dieser Zeit berichten.

Herr Alt, hat vorigen Samstag im Jonastal gesagt, es waren nicht 5.000 Tode die dort unter den KZ-Häftlingen zu beklagen waren, sondern 10.000. Das ist eine fast unvorstellbare Zahl. Das Lager bestand insgesamt von November 1944 bis Ende März 1945, maximal 5 Monate, 150 Tage und dann 10.000 Tode. Im Durchschnitt über 60 Tode am Tag. Nicht irgendwo. Nein, hier bei uns.

Das ist Auftrag genug, liebe Genossinnen und Genossen, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht und diejenigen, die hier bei uns in der Nazizeit ihr Leben verloren haben, nicht zu vergessen.

Vielen Dank!